Erstmals Frontalairbags für beide Fondinsassen

02.09.2020
Stuttgart

Im Experimental-Sicherheits-Fahrzeug ESF 2019 hat Mercedes-Benz letztes Jahr gezeigt, an welchen Ideen die Sicherheitsexperten des Unternehmens arbeiten. Unter den mehr als 20 Innovationen waren seriennahe Entwicklungen wie der Fondairbag, der jetzt als Sonderausstattung in der S-Klasse mit langem Radstand verfügbar wird. Der Frontalairbag für den Rücksitz entfaltet sich aufgrund seiner neuartigen Bauart mit einer röhrenartigen Struktur besonders schonend. Bei schweren Frontalkollisionen kann der Fondairbag für die äußeren Fondinsassen die Belastungswerte auf Kopf und Nacken deutlich reduzieren.

Der Fondairbag verwendet ein neuartiges Befüllkonzept zum Aufblasen und Positionieren des Luftsacks. Hierfür besitzt er eine spezielle Röhrenstruktur, die schnell mit Druckgas aus einem Kaltgasgenerator aufgeblasen wird. Der Raum dazwischen füllt sich mit Umgebungsluft. Patentierte Ventile sorgen dafür, dass die Luft beim Eintauchen des Passagiers eingeschlossen bleibt und so die gewünschte Schutzwirkung entsteht. Die Röhrenstruktur selbst hat einen Inhalt von circa 16 Litern. Das wirksame Volumen des Raums dazwischen beträgt maximal 70 Liter. Das Airbag-Volumen ist so bemessen, dass ein angeschnallter Fondinsasse vor dem Kontakt mit den Vordersitzen geschützt werden kann.

Die Auslegung eines Airbags für den Frontaufprall im Fahrzeugfond erfordert ein anderes Konzept als ein konventioneller Fahrer- oder Beifahrer-Airbag. Denn die Platzverhältnisse sind anders, die Bandbreite des Insassenverhaltens ist groß, und der Airbag muss in der verstellbaren Rückenlehne der Frontsitze untergebracht werden. Hinzu kommt: Kinder und Erwachsene sitzen sehr unterschiedlich im Fahrzeugfond.

Daher wurde besonderes Augenmerk auf die möglichst schonende Entfaltung des Luftkissens gelegt, falls sich Personen oder Gegenstände im Entfaltungsbereich befinden sollten. Die besondere Konstruktion dieses neuen Luftkissens trägt maßgeblich zur Erfüllung der internen Anforderungen von Mercedes‑Benz bei, die teilweise von den Prüfungen für Beifahrer-Airbags abgeleitet wurden. Die sich aufblasenden Röhren können bei Kontakt zu Störkonturen, beispielsweise einem rückwärtsgerichteten Kindersitz, ausweichen. Die Last wird der Störkontur nicht aufgezwungen, sondern ab einer bestimmten Gegenkraft überwiegend an ihr vorbeigeleitet.

Der Airbag ergänzt die Rückhaltewirkung des Gurtsystems und kann somit bei einem schweren Frontalaufprall Kopf und Nacken so abstützen, dass deren Belastungswerte signifikant sinken. Kombiniert mit einem Beltbag, dem aufblasbaren Sicherheitsgurt, sowie dem Sitzkissenairbag des Executive Sitzes (siehe dort) setzt die S-Klasse damit neue Maßstäbe für die Sicherheit der Fondinsassen.

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