Nur Schweben ist besser

02.09.2020
Stuttgart

Noch mehr Fahrkomfort und Agilität sowie innovative Funktionen wie ein Anheben der Karosserie beim Seitencrash bietet das neu entwickelte Aktive Fahrwerk E-ACTIVE BODY CONTROL, das mit der serienmäßigen Luftfederung AIRMATIC kombiniert ist. Es kann die Feder- und Dämpferkräfte an jedem Rad individuell regeln und wirkt so nicht nur Wank-, sondern auch Nick- und Hubbewegungen entgegen. E‑ACTIVE BODY CONTROL ermöglicht zusammen mit ROAD SURFACE SCAN und der Kurvenneige­funktion CURVE ein außergewöhnliches Komfort-Niveau und unterstreicht so den Anspruch von Mercedes-Benz, das intelligenteste Fahrwerk der Welt zu bauen.

Aktive Fahrwerke haben bei Mercedes-Benz eine lange Tradition. Bereits vor über 40 Jahren wurde an Federungs- und Dämpfungssystemen geforscht, bei denen die Kraft an jedem Rad individuell geregelt werden konnte. Das Ziel: Eine Verbesserung von sowohl Fahrkomfort als auch Fahrdynamik. 1999 erfolgte der erste Serieneinsatz als ABC (Active Body Control) im damaligen S-Klasse Coupé. ABC wurde in den Folgejahren kontinuierlich weiterentwickelt und mit der Funktion ROAD SURFACE SCAN im Jahr 2013 zum ersten vorausschauenden Fahrwerk, welches auf Bodenwellen bereits reagiert, bevor diese überfahren werden.

E-ACTIVE BODY CONTROL setzt diese Tradition auf einzigartige Weise fort. Von Mercedes-Benz entwickelt, arbeitet es mit 48 Volt Spannung und ist in der S-Klasse als Sonderausstattung erhältlich. Das System baut auf dem serienmäßigen, volltragenden Luftfedersystem AIRMATIC auf und bietet damit eine Rundum-Niveauregulierung, die das Fahrzeugniveau unabhängig von der Beladung konstant hält. Zugleich ermöglicht es nach Bedarf eine Anhebung oder Absenkung, um die Bodenfreiheit zu vergrößern oder zu verringern.

Darüber hinaus erzeugt die Luftfederung mit aktivem hydraulischen Dämpfer dynamische Kräfte, die den Kräften der Luftfeder überlagert sind und den Fahrzeugaufbau aktiv abstützen und dämpfen, z.B. bei Längs- und Quer­beschleunigung oder bei der Fahrt auf unebenen Straßen. Beim Bremsen und Beschleunigen taucht die Karosserie nicht mehr ein und auf schlechten Straßen kann das System sogar elektrische Energie zurückgewinnen, so dass der Energiebedarf gegenüber dem Vorgängersystem in der bisherigen S-Klasse etwa halbiert wurde.

Das vollaktive Fahrwerk bietet eine sehr weite Spreizung des Fahrverhaltens, die über das Fahrprogramm eingestellt werden kann – vom Komfort einer Luxus-Limousine bis hin zur Agilität eines Sportwagens. Es ist außerdem mit der Hinterachslenkung und den übrigen Fahrwerk- und Regelsysteme eng vernetzt und erreicht dadurch ein neues Maß an Stabilität und Sicherheit. Mit fünf Mehrkernprozessoren, mehr als 20 Sensoren und unter Nutzung der Stereo-Kamera reagiert E-ACTIVE BODY CONTROL vorausschauend auf jede Fahrsituation und schafft ein völlig neues Fahrerlebnis. 1.000-mal pro Sekunde analysieren die Steuergeräte die Fahrsituation und passen das Fahrwerk entsprechend an. Einzigartig ist die Funktion ROAD SURFACE SCAN: Die Stereo-Multi-Purpose-Kamera erfasst kontinuierlich die Fahrbahnoberfläche vor dem Fahrzeug. Die Federbeine werden dann so angesteuert, dass die Karosseriebewegungen beim Überfahren von Bodenwellen deutlich reduziert werden, denn das Fahrwerk reagiert bereits, bevor die Fahrbahnstörung erreicht ist.

Ebenfalls den Fahrkomfort steigert die Kurvenneigefunktion: Im Fahrmodus CURVE neigt sich die S-Klasse ähnlich einem Motorrad aktiv in drei Stufen um bis zu 3° in die Kurve. Damit werden die Querkräfte reduziert, die auf die Passagiere wirken. Kurvenfahrten werden dadurch deutlich angenehmer, insbesondere für die Beifahrer und Fondpassagiere.

Die Regelung von E-ACTIVE BODY CONTROL ist abhängig von:

  • der Fahrweise, z.B. dynamisch
  • der Straßenbeschaffenheit, z.B. Bodenwellen
  • der Fahrzeugbeladung
  • der individuellen Auswahl des Fahrprogramms: sportlich (SPORT), komfortabel (COMFORT), komfortabel mit dynamischer Kurvenneigefunktion (CURVE) oder komfortabel und besonders energiesparend (ECO).

Wirkungsweise: So funktioniert E-ACTIVE BODY CONTROL

E-ACTIVE BODY CONTROL ergänzt die Luftfederung um eine teiltragende Hydraulik. Dabei trägt die Luftfeder die Grundlast des Fahrzeugaufbaus und regelt langsam das Niveau ein. Die Hydraulik erzeugt dynamische Kräfte, die den Kräften der Luftfeder überlagert sind und den Fahrzeugaufbau aktiv abstützen und dämpfen. Erreicht werden bis zu 6 kN an den Rädern der Vorderachse und 5 kN an der Hinterachse. Die Stelldynamik beträgt bis zu 20 kN/s. Damit ist auch ein Anheben der Karosserie für den Fall möglich, dass ein drohender Seitenaufprall erkannt wird. Mehr zu dieser Erweiterung von PRE-SAFE® Impuls Seite im Kapitel „Die Schutzmaßnahmen beim Seitencrash“.

An jedem Rad ist innerhalb der Achse ein Dämpfer verbaut, der an beiden Arbeitskammern über ein verstellbares Dämpfungsventil sowie einen Hydraulikspeicher verfügt. Der Dämpfer ist über Hydraulikleitungen mit einer intelligenten Motor-Pumpen-Einheit im 48-Volt-Netz verbunden. Durch eine Ansteuerung der Motor-Pumpen-Einheit kann das Öl derart verschoben werden, dass eine Druckdifferenz innerhalb des Dämpfers entsteht, durch die schnell eine aktive Kraft aufgebaut wird.

Die Koordination der Motor-Pumpen-Einheiten an allen vier Rädern erfolgt über ein zentrales Steuergerät, das auch die Ventile und den Kompressor für die Luftfeder ansteuert und somit immer das gesamte Fahrwerk kontrolliert.

Der Übergang von einer riemengetriebenen hydraulischen Pumpe zu einer elektrischen 48-Volt-Pumpe berücksichtigt auch die zunehmende Elektrifizierung des Antriebsstrangs: Der Verbrennungsmotor steht immer häufiger still – oder fällt ganz weg.

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