Überragende Erfolge für Mercedes bei der Woche von Nizza 1901

Überragende Erfolge für Mercedes bei der Woche von Nizza 1901

25.03.2021
Stuttgart
  • Premiere des von Wilhelm Maybach konstruierten Mercedes 35 PS
  • Mercédès Jellinek gibt der neuen Automobilmarke vor 120 Jahren den Namen
  • Rennsiege und Rekorde bei der Woche von Nizza vom 25. bis 29. März 1901
  • „Wir sind in die Ära Mercédès eingetreten“

Stuttgart. Gleich zwei Meilensteine für die Geschichte von Mercedes-Benz bringt die bedeutende Rennveranstaltung „Woche von Nizza“ vom 25. bis 29. März 1901: Vor 120 Jahren beginnt mit dem Sieg des Mercedes 35 PS der Daimler-Motoren-Gesellschaft in Nizza die Epoche des modernen Automobils. Gleichzeitig wird der Markenname Mercedes geboren. Denn Emil Jellinek, damals wichtigster Händler der Daimler-Motoren-Gesellschaft (DMG), benennt das von ihm beauftragte Hochleistungsautomobil nach seiner 1889 geborenen Lieblingstochter Mercédès. Bereits in den Vorjahren ist der motorsportbegeisterte Geschäftsmann unter dem Pseudonym „Monsieur Mercédès“ bei Rennen gestartet.

Am 23. Juni 1902 meldet die DMG den Markennamen Mercedes als Warenzeichen an, und am 26. September 1902 wird die Marke gesetzlich geschützt. 1909 lässt die DMG auch den dreizackigen Mercedes-Stern beim Kaiserlichen Patentamt schützen. Mit der Fusion der DMG mit Benz & Cie. zur damaligen Daimler-Benz AG im Jahr 1926 entsteht die neue Marke Mercedes-Benz. Ihre enorme weltweite Strahlkraft seitdem spiegelt auch der internationale Markenreport „Interbrand 2020“ wider: Mercedes-Benz ist die einzige deutsche Marke unter den Top 10 der „Best Global Brands“ und die wertvollste Luxusautomobilmarke der Welt.

Zur Markenfamilie der heutigen Mercedes-Benz AG als global präsentem Hersteller von Luxusfahrzeugen gehören die Automobilmarken Mercedes-Benz, Mercedes-AMG, Mercedes-Maybach, Mercedes EQ, G-Klasse und smart. Dazu kommt Mercedes me als Marke der digitalen Dienste von Mercedes-Benz.

Wichtige Erfolge des Mercedes 35 PS bei der Woche von Nizza vor 120 Jahren

Die Woche von Nizza umfasst eine ganze Reihe von Wettfahrten und ist ein bedeutendes Motorsportereignis:

  • Fernfahrt Nizza–Salon–Nizza über 392 Kilometer am 25. März 1901: Wilhelm Werner gewinnt mit einem Durchschnitt von 58,1 km/h. Dieser Erfolg gilt als erster Rennsieg eines Mercedes Automobils überhaupt.
  • Bergrennen Nizza–La Turbie am 29. März 1901: Wilhelm Werner siegt in der Klasse der zweisitzigen Rennwagen auf dem Mercedes 35 PS von Henri de Rothschild („Dr. Pascal“) in neuer Rekordzeit mit 51,4 km/h im Durchschnitt vor Albert „Georges“ Lemaître, ebenfalls auf Mercedes 35 PS. In der Klasse der sechssitzigen Wagen gewinnt der Fahrer Thorn mit 42,7 km/h im Durchschnitt auf Mercedes 35 PS.
  • Zu den weiteren Meilensteinen gehört der von Claude Lorraine Barrow auf Mercedes 35 PS aufgestellte Weltrekord über die Meile bei stehendem Start mit einem Durchschnitt von 79,7 km/h bei den Rekordversuchen am 28. März 1901, die ebenfalls zum Programm der fünftägigen Woche von Nizza gehören.

Luxuriöser automobiler Lebensstil

Nizza an der Côte d’Azur ist um die Wende ins 20. Jahrhundert ein internationales Zentrum der Automobilkultur. Insbesondere im Winterhalbjahr trifft sich dort die mondäne Oberschicht aus ganz Europa und auch aus Übersee. Der Motorsport gehört zu den Höhepunkten des luxuriösen automobilen Lebensstils. Seit 1897 wird das Bergrennen Nizza–La Turbie ausgetragen. Es gilt als das erste offiziell als Wettbewerb veranstaltete Bergrennen der Welt.

Ab 1899 ist das Bergrennen Höhepunkt der Woche von Nizza. Sie wird vom Automobile Club de Nice und dem Magazin „La France Automobile“ ausgerichtet. Emil Jellinek, dessen Familie die Winter in Nizza verbringt, lässt im Jahr 1899 einen Daimler 12 PS Rennwagen mit „Phönix“-Motor starten. Das von Rennfahrer Wilhelm Bauer gesteuerte Fahrzeug gewinnt die Tourenfahrt Nizza–Colomars–Tourrettes–Magagnosc–Nizza über eine Distanz von 85 Kilometern mit einem Durchschnitt von 34,7 km/h. Arthur de Rothschild belegt bei Nizza–La Turbie 1899 ebenfalls mit einem Daimler 12 PS „Phönix“-Wagen den zweiten Platz in der Klasse der viersitzigen Wagen mit einem Durchschnitt von 41,1 km/h.

Für die Woche von Nizza 1900 verlangt Emil Jellinek von der DMG noch leistungsfähigere Fahrzeuge. So wird der ambitionierte Geschäftsmann zum Innovationstreiber der noch jungen Automobiltechnik. Die DMG antwortet mit dem 23 PS „Phönix“-Wagen. Doch Emil Jellineks Engagement mit zwei dieser Fahrzeuge bei der Woche von Nizza vom 26. bis 30. März 1900 endet tragisch. Der von Hermann Braun gefahrene Wagen überschlägt sich bei der Fernfahrt Nizza–Draguignan–Nizza – glücklicherweise ohne größere Folgen. Beim Bergrennen Nizza–La Turbie verunglückt dann der erfahrene Werkspilot Wilhelm Bauer mit Mercédès II kurz nach dem Start und stirbt wenig später an den Unfallfolgen. Lediglich der Privatfahrer E. T. Stead gewinnt mit seinem eigenen 23 PS „Phönix“ die Touristenklassen bei Nizza–Draguignan–Nizza und Nizza–La Turbie über 296 Kilometer mit einem Durchschnitt von 48,4 km/h.

Für die DMG ist nach diesen Unglücken offen, ob sich das Unternehmen überhaupt noch im Motorsport engagieren soll. Erneut schlägt die Stunde von Emil Jellinek: Statt aufzugeben, setzt er sich mit Nachdruck für die Entwicklung eines innovativen, sicheren und noch leistungsfähigeren Automobils ein. Wilhelm Maybach, damals Chefkonstrukteur des Unternehmens, nimmt die Herausforderung an. So entsteht der Mercedes 35 PS, der als das erste moderne Automobil überhaupt gilt. Am 22. November 1900 wird das erste Fahrzeug im Werk Cannstatt fertiggestellt. Danach erprobt es die DMG und verbessert es weiter. Am 22. Dezember 1900 verschickt das Unternehmen den Wagen nach Nizza an Emil Jellinek. Bei der Rennwoche gehen gleich sieben dieser Supersportwagen ihrer Zeit an den Start, die gleichermaßen für Rennen wie für den Einsatz als sportliche Privatwagen gedacht sind.

Das erste moderne Automobil

Die charakteristischen Merkmale des Mercedes 35 PS sind seine lang gestreckte Form, der leichte und tief im Rahmen eingebaute Hochleistungsmotor sowie der organisch in die Front integrierte Bienenwabenkühler, der zum markenprägenden Erkennungszeichen wird. Dieses vor 120 Jahren hoch innovative Automobil markiert den endgültigen Abschied vom damals branchenweit vorherrschenden Kutschenstil. Die Neuerungen reichen bis zur Rahmenkonstruktion sowie der Kupplung. Die Summe der Innovationen, die als System perfekt aufeinander abgestimmt sind, macht dieses Fahrzeug zum ersten modernen Automobil.

Wilhelm Maybach zeigt mit seinem großen Wurf einmal mehr, weshalb man ihm im automobilbegeisterten Frankreich den Ehrentitel des „roi des constructeurs“ (König der Konstrukteure) gegeben hat. Bei der Woche von Nizza beeindruckt der Mercedes 35 PS vor 120 Jahren die Fachwelt. Paul Meyan, Generalsekretär des Automobilclubs von Frankreich, sagt in einem Rückblick auf die fünftägige Motorsportveranstaltung: „Nous sommes entrés dans lʼère Mercédès.“ („Wir sind in die Ära Mercedes eingetreten.“)

Mercedes-Simplex 40 PS aus dem Jahr 1903 an der Stelle in La Turbie, wo 1901 das Foto mit Wilhelm Werner im Mercedes 35 PS entsteht. Foto der Mercedes-Benz Classic Insight „Die Ära Mercédès“ im April 2017. (Fotosignatur der Mercedes-Benz Classic Archive: D368813)
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Mercedes-Simplex Fahrzeuge aus den frühen 1900er-Jahren an der Stelle in La Turbie, wo 1901 das Foto mit Wilhelm Werner im Mercedes 35 PS entsteht. Vergleich der historischen Aufnahme mit der heutigen Situation. Foto der Mercedes-Benz Classic Insight „Die Ära Mercédès“ im April 2017. (Fotosignatur der Mercedes-Benz Classic Archive: D369394)
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Woche von Nizza, 25. bis 29. März 1901. Bergrennen Nizza–La Turbie am 29. März 1901. Mehrere Fahrzeuge der Klasse der zweisitzigen Rennwagen in La Turbie. Das zweite Fahrzeug von links ist der Mercedes 35 PS von Albert „Georges“ Lemaître (Platz 2), rechts daneben der Mercedes 35 PS des Siegers Wilhelm Werner (Startnummer 5). (Fotosignatur der Mercedes-Benz Classic Archive: R10386)
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Mercedes-Simplex Fahrzeuge aus den frühen 1900er-Jahren auf dem Weg von Nizza nach La Turbie. Foto der Mercedes-Benz Classic Insight „Die Ära Mercédès“ im April 2017. (Fotosignatur der Mercedes-Benz Classic Archive: D369388)
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Woche von Nizza, 25. bis 29. März 1901. Foto des Mercedes 35 PS von Baron de Rothschild, gefahren von Wilhelm Werner, auf der Promenade des Anglais in Nizza. Emil Jellinek (mit Backenbart) steht rechts hinter dem Fahrzeug innerhalb der Absperrungen. (Fotosignatur der Mercedes-Benz Classic Archive: 1972M283)
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Woche von Nizza, 25. bis 29. März 1901. Mercedes 35 PS von Baron de Rothschild, gefahren von Wilhelm Werner, während eines Rennens. Zeichnung von Hans Liska aus dem Jahr 1960. (Fotosignatur der Mercedes-Benz Classic Archive: 97777)
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Mercedes 35 PS aus dem Jahr 1900 mit viersitzigem Aufbau. Am 22. Dezember 1900 liefert die Daimler-Motoren-Gesellschaft das erste Fahrzeug des Typs an Emil Jellinek aus. (Fotosignatur der Mercedes-Benz Classic Archive: 2000M386)
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Mercedes 35 PS aus dem Jahr 1901 mit zweisitzigem Aufbau als Rennwagen. (Fotosignatur der Mercedes-Benz Classic Archive: 25074)
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Hochleistungsmotor des Mercedes 35 PS aus dem Jahr 1901. (Fotosignatur der Mercedes-Benz Classic Archive: 1989M1376)
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Mercédès Jellinek (16. September 1889 bis 23. Februar 1929). Porträtfoto im Alter von elf Jahren. (Fotosignatur der Mercedes-Benz Classic Archive: U84056)
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Mercédès Jellinek (16. September 1889 bis 23. Februar 1929). Foto auf einem Mercedes Rennwagen, aufgenommen um 1906. (Fotosignatur der Mercedes-Benz Classic Archive: 2008DIG2541)
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Emil Jellinek (6. April 1853 bis 21. Januar 1918). Foto mit Fahrrad. (Fotosignatur der Mercedes-Benz Classic Archive: 50122)
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Emil Jellinek (6. April 1853 bis 21. Januar 1918). Aufnahme um 1895 mit seiner Tochter Mercédès (16. September 1889 bis 23. Februar 1929). (Fotosignatur der Mercedes-Benz Classic Archive: 2005DIG820)
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Emil Jellinek (6. April 1853 bis 21. Januar 1918). Porträtfoto in Uniform. (Fotosignatur der Mercedes-Benz Classic Archive: Z2962)
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Wilhelm Maybach (9. Februar 1846 bis 29. Dezember 1929). Porträtfoto. (Fotosignatur der Mercedes-Benz Classic Archive: 30898)
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Woche von Nizza, 25. bis 29. März 1901. Der Mercedes 35 PS des Baron de Rothschild im Ziel des Rennens Nizza–Salon–Nizza am 25. März 1901. Wilhelm Werner gewinnt das Rennen über eine Distanz von 392 Kilometer. (Fotosignatur der Mercedes-Benz Classic Archive: 12463)
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Mercedes-Simplex 40 PS aus dem Jahr 1903 im Hafen von Nizza. Foto der Mercedes-Benz Classic Insight „Die Ära Mercédès“ im April 2017. (Fotosignatur der Mercedes-Benz Classic Archive: D368751)
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Woche von Nizza, 25. bis 29. März 1901. Wettbewerb um den Coupe Henri de Rothschild am 28. März 1901. Dr. Richard Ritter von Stern am Steuer eines Mercedes 35 PS Tourenwagens belegt Platz 3 in der Kategorie der Wagen über 400 Kilogramm mit einer Belastung von mehr als zwei Personen. (Fotosignatur der Mercedes-Benz Classic Archive: R10387)
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Woche von Nizza, 25. bis 29. März 1901. Bergrennen Nizza–La Turbie am 29. März 1901. Der spätere Sieger Wilhelm Werner am Steuer des Mercedes 35 PS des Baron Henri de Rothschild. Foto in La Turbie. (Fotosignatur der Mercedes-Benz Classic Archive: 71255)
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