Tradition: Trendsetter seit Jahrzehnten

12.04.2006
Stuttgart
  • Vom „Ponton“-Mercedes zum Vier-Augen-Gesicht
  • Stets Innovationsführer in puncto Sicherheit und Fahrkomfort
  • T-Modell seit 1977 Vorbild der modernen Kombi-Limousinen
E-Klasse - diese Bezeichnung der Mercedes-Modellreihe gibt es zwar offiziell erst seit 1993, doch die Ursprünge dieser Modellreihe, die immer herausragenden Komfort und höchste Zuverlässigkeit mit größter Sicherheit und innovativer Technik verband, reichen sechs Jahrzehnte zurück. Mit anderen Worten: Die E-Klasse von Mercedes-Benz ist ein Auto mit Herkunft.
Es war der 8. September 1953 als Dr. Fritz Könecke, der damalige Vorstandsvorsitzende der Daimler-Benz AG, den neuen Mercedes-Benz 180 präsentierte und damit den Grundstein für eine Modellreihe legte, die heute E-Klasse heißt. Die Limousine betrat 1953 eine Zeitbühne, auf der sich Nierentische und Petticoats anschickten, die modische Führungsrolle zu übernehmen. Und ebenso mutig schritt Daimler-Benz mit dem neuen Modell in die Zukunft. Es war förmlich zu spüren, wie die Fachwelt vor Überraschung tief den Atem anhielt, denn der Mercedes-Benz 180 brach rigoros mit dem Styling der Dreißigerjahre: Durchgehende Wagenflanken ohne freistehende Kotflügel formten eine Ponton-Karosserie, die vom traditionsreichsten Automobilhersteller der Welt allerdings erwartet worden war. Doch längst hatte man bei Daimler-Benz erkannt, dass „der Automobilbau nicht nur von technischen Fortschritten, sondern ebenso sehr von dem sich ständig wandelnden Zeitgeschmack abhängt“, wie der Vorstandsvorsitzende damals betonte.
Zudem sprachen auch technische Gründe für die neue Pontonform. Die selbsttragende Karosserie, noch mit einer Rahmen-Bodenanlage ausgestattet, machte das Fahrzeug verwindungssteifer als das Vorgängermodell 170 S und sparte überdies deutlich Gewicht. Ein weiteres technisches Highlight setzte die Doppelquerlenker-Vorderradaufhängung, die erstmals mit einem so genannten „Fahrschemel“ verbunden war, der auch Motor und Getriebe trug und viele Reparaturarbeiten erheblich vereinfachte. Unter der Motorhaube arbeitete ein Vierzylinder mit 1,8 Litern Hubraum und 52 PS, der den Typ 180 auf 126 km/h beschleunigte.
Zur Mercedes-Philosophie gehörte schon damals, den technischen Fortschritt möglichst rasch in der Serie umzusetzen. Deshalb tauschten die Ingenieure bereits im September 1955 die Zweigelenk-Pendelachse gegen die modernere Eingelenk-Konstruktion mit tief liegendem Drehpunkt aus, die das ohnehin schon sehr gute Fahrverhalten nochmals deutlich verbesserte.
Im Mai 1956 wurde der erfolgreiche Typ 180 durch den Mercedes-Benz 190 ergänzt. Äußerlich bis auf den reicheren Chromzierrat nahezu identisch, unterschied er sich vor allem durch den 75 PS starken Vierzylinder mit oben liegender Nockenwelle aus dem Roadster 190 SL. Im September 1957 ging auch der Mercedes-Benz 180 mit diesem neuen Motor an den Start - allerdings nur mit 65 PS. Dafür bekam er die etwas breitere Kühlermaske und die größeren Heckleuchten, die auch den ersten 190er kennzeichneten.
Nicht zu vergessen der Diesel. Ab Frühjahr 1954 gab es den 180 D mit 40 PS, zu denen sich im Herbst 1955 drei weitere Diesel-Pferdestärken gesellten. Die Zuverlässigkeit und Langlebigkeit waren bereits so legendär, dass Mercedes-Diesel zum bevorzugten Taxi-Modell wurden - und es noch heute sind. Ab Oktober 1958 bot die Stuttgarter Automarke deshalb auch konsequent den Typ 190 in einer Selbstzünder-Variante an. Das Triebwerk des 190 D hatten die Ingenieure aus dem Benzinmotor entwickelt – mit einer in der Diesel-Welt ungewöhnlichen oben liegenden Nockenwelle, mit 50 PS Leistung und mit bis zu 125 km/h Höchsttempo.
1961 bis 1968: Ein Mercedes-Benz mit „ Heckflossen“
An den Nachfolger des „Ponton“ hatte sich die Öffentlichkeit bereits gewöhnt, noch bevor er im September 1961 auf der IAA vorgestellt wurde - wenigstens zu zwei Drittel. Denn von der Windschutzscheibe an rückwärts glich der Neue den großen Mercedes-Modellen der S-Klasse, die bereits zwei Jahre vorher an den Start gegangen waren. Die einzigen äußerlich wahrnehmbaren Unterschiede waren der um 14,5 Zentimeter kürzere Vorbau und die runden Scheinwerfer.
Vor allem das Heck sorgte für Aufsehen: Sowohl die Limousinen der Ober- als auch der neuen Mittelklasse zeigten dort ein typisches transatlantisches Styling-Element der Straßenkreuzerkultur: Heckflossen. Kantig und gemäßigt, unterstützten sie bei den Mercedes-Modellen optisch wirkungsvoll die Trapezlinie der Karosserie.
Technisch hielt die neue Mittelklasselimousine, was man von einem Automobil mit Stern auf der Kühlermaske erwartete. 80 PS beschleunigten den Mercedes-Benz 190 c auf 150 km/h. Zwei Monate nach dem Benziner kam der 190 Dc, der mit Dieseltriebwerk in 29 Sekunden von null auf 100 km/h eilte und eine Spitzengeschwindigkeit von 130 km/h erreichte - für Diesel waren das damals außergewöhnliche Fahrleistungen. Ohnehin entpuppte sich die Selbstzündervariante der „kleinen Flosse“ als Renner: 1965 orderten fast zwei Drittel der Käufer den 190er als Diesel.
Ab August 1962 war der Typ 190 auch mit einer hauseigenen Viergang-Automatik zu haben, und ein Jahr später montierte Mercedes-Benz Scheibenbremsen an die Vorderräder und stattete die Limousinen mit zwei getrennten Bremskreisen aus. 1965 bekam der Motor anlässlich der Internationalen Automobil-Ausstellung in Frankfurt/Main mehr Hubraum, mehr Leistung (95 PS), eine fünffach gelagerte Kurbelwelle und vor allem eine neue Typenbezeichnung: Fortan hieß der Mittelklassewagen Mercedes-Benz 200. Äußerlich glänzte die Zweitauflage durch zusätzliche Leuchteinheiten unter den Scheinwerfern, die Nebel-, Park- und Blinkleuchten enthielten, sowie trapezförmige Heckleuchten.
1968 bis 1976: Mit dem „Strich 8“ in die Siebziger
Das neue Mercedes-Modell erschien im Januar 1968 und ist bis heute volkstümlich vor allem als „Strich 8“ bekannt . Schuld daran ist die Typenbezeichnung, die zunächst vom 200 D/8 bis zum 250/8 reichte. Das ungewöhnliche Kürzel „/8“, das ungewollt zum Namenspatron der Baureihe wurde, sollte ursprünglich auf das Einführungsjahr 1968 hinweisen. Dies war notwendig, um die Modelle der „Neuen Generation“, wie der „/8“ auch genannt wurde, eindeutig von ihren namensgleichen Vorgängern unterscheiden zu können.
Trotzdem: Der „Strich 8“ war unverwechselbar - und ein echter Achtundsechziger. Das bedeutet: Er zeigte sich technisch und stilistisch nicht nur auf der Höhe seiner Zeit, sondern eilte ihr auch ein wenig voraus. Die Pendelachse hatte er gegen eine zeitgemäße Schräglenker-Konstruktion getauscht und äußerlich erschien er vielen wie ein graziler „Latino“. Aber trotz kompakter Abmessungen bot er noch immer großzügige Platzverhältnisse.
Auch das neue Modell bot eine Reihe viel bestaunter Innovationen. Dazu zählten die so genannten Schmetterlings-Scheibenwischer, versenkte Schalter im gepolsterten Armaturenbrett, Fußfeststellbremse und der Multifunktionshebel, der von der Fachwelt als bahnbrechend eingestuft wurde. Trotz der Euphorie in der Fachwelt bezüglich des Fahrverhaltens, erwarb sich der „Strich 8“ schließlich einen ganz anderen Ruf. Man sagte ihm wohl kalkulierte Perfektion nach, und er galt als technisch kaum zu übertreffen. Zudem bot Daimler-Benz eine bislang in der Mittelklasse nie da gewesene Auswahl: Den intern W 115 genannten Typ gab es zunächst mit Vierzylinder-Benzinmotor und -Diesel, den optisch fast gleichen Typ 114 mit Sechszylinder-Benzinmotor. Ab 1974 sorgte in der „/8“-Baureihe sogar der erste Fünfzylinder-Pkw der Welt für Aufsehen, der mit 80 PS zugleich der leistungsstärkste Diesel-Pkw war.
Dr. Joachim Zahn, damaliger Sprecher des Daimler-Benz-Vorstands, betonte: „Mit diesem 15 Modelle umfassenden Programm beginnt ein neuer Abschnitt in der Entwicklung unseres Hauses.“ Und er wies besonders deutlich auf die weiter verbesserte Passive und Aktive Sicherheit hin - eine Entwicklungsdisziplin, in der Mercedes-Automobile immer die Führungsrolle übernommen hatten. Tatsächlich enthielten die Modelle der „Strich 8-Baureihe“ alle wegweisenden Sicherheitsdetails, die Daimler-Benz in jahrzehntelanger Pionierarbeit entwickelt hatte: Sicherheitskarosserie, Sicherheitstürschlösser, entschärfter Innenraum und Sicherheitslenksäule, um nur die wichtigsten zu nennen. Anlässlich der Modellpflege im Herbst 1973 kamen verschmutzungsarme Seitenscheiben und Rückleuchten, Kopfstützen vorn und Automatikgurte hinzu.
1976 bis 1985: Keilförmige Linie in der Mercedes-Mittelklasse
Noch ehe der „Strich 8“ die Produktionsbänder endgültig geräumt hatte, präsentierte Mercedes-Benz im Januar 1976 den Nachfolger, der den Werkscode W 123 trug. Äußerlich war er um 45 Millimeter in der Länge und 16 Millimeter in der Breite gewachsen. Flacher erschien dagegen die klassische Mercedes-Kühlermaske, die von runden Doppelscheinwerfern unter einem gemeinsamen Deckglas - bei den Topmodellen 280 und 280 E von waagrechten Rechteckscheinwerfern eingefasst wurde.
Die neue Modellreihe umfasste zunächst neun Varianten: vier Limousinen mit Diesel- und fünf mit Benzinmotor. Unter dem Blechkleid hatten die Mercedes-Ingenieure weitere Innovationen für noch mehr passive Sicherheit eingesetzt: Sie verlegten den Tank geschützt über die Hinterachse und schufen so gleichzeitig lange Knautschwege für das gesamte Heckteil. Außerdem verzichteten sie auf den früher üblichen Fahrschemel und erzielten damit auch hier eine größere Knautschzone.
Als dritte Karosserievariante der Modellreihe 123 - neben Limousine und Coupé - präsentierte Mercedes-Benz auf der IAA 1977 ein Kombimodell, das ein „T“ an der Heckklappe trug. Den Buchstaben übersetzten die Produktfachleute mit „Touristik und Transport“ und deuteten damit eine Trendwende bei der Entwicklung von Kombimodellen an. Der Mercedes-Benz befreite den Kombi von seinem Image als „Nutzfahrzeug“ und machte ihn dank niveauvoller Ausstattung auch für sehr anspruchsvolle Kunden interessant. Damit war das T-Modell der E-Klasse vor genau 28 Jahren der Trendsetter für diese erfolgreiche Auto-Spezies.
1985 bis 1995: Neubeginn in Design und Technik
Neues Styling, neue Karosserie, neue Achsen, neue Motoren, eine um 30 Prozent reduzierte Luftwiderstandsfläche und weniger Gewicht - so lauteten kurz gefasst die wichtigsten Kennzeichen der im Dezember 1984 vorgestellten neuen Mercedes-Mittelklasse. Tatsächlich war der Neue (W 124) durch und durch neu konzipiert worden: Hochfeste Stahlbleche machten ihn leichter und halfen den Kraftstoffverbrauch um bis zu 20 Prozent zu senken. Die optimierte Gabelträgerstruktur des Vorderwagens verringerte die Verletzungsrisiken der Insassen bei einem Offset-Frontalaufprall. Automatisches Sperrdifferenzial (ASD), Antriebs-Schlupf-Regelung (ASR) und der Vierradantrieb 4MATIC erlebten im W 124 ihre Premiere.
Der Aufwand zahlte sich aus. Schließlich waren die Modelle der oberen Mittelklasse die wichtigste Stütze des Fahrzeuggeschäfts von Daimler-Benz. Aus diesem Grund wurde die Baureihe auch zügig ergänzt: Zur IAA 1985 erschien das T-Modell, im März 1987 feierten zwei Coupé-Modelle ihre Premiere.
Permanente Fortschritte zeichneten auch die Antriebstechnik aus. 1989 startete die „Initiative Diesel 89“ mit überarbeiteten Triebwerken, welche die Partikelemissionen um 40 Prozent reduzierten. Vier Jahre später ließ Mercedes-Benz als Weltneuheit die Vierventiltechnik in den Diesel einziehen, der serienmäßig auch Abgasrückführung und Oxidationskatalysator erhielt. Gleichzeitig wurden neue Benzinmotoren mit Vierventiltechnik, vollelektronischem Motormanagement mit verteilerloser Hochspannungszündung und der Datenbus (CAN-Bus) verwirklicht. Eine weit reichende Entscheidung brachte schließlich das Jahr 1993: Ab jetzt hieß die obere Mittelklasse von Mercedes-Benz „E-Klasse“.
1995 bis 2001: Vier Augen als Symbol eines neuen Markenbilds
„New Eyes“ gingen unter dem Zeichen des Mercedes-Sterns am 23. Juni 1995 europaweit als Kennzeichen für die neue E-Klasse an den Start. Vier elliptische Scheinwerfer formten ein ganz neues, dynamisches Gesicht und sorgten für großes Aufsehen. Die neue E-Klasse glänzte aber auch mit einem sensationellen Luftwiderstandsbeiwert von cW 0,27, mit mehr als 30 technischen Innovationen, einer besonders reichhaltigen Serienausstattung und mit vorbildlicher Insassen-sicherheit. Dafür sorgten nicht nur große Deformationszonen im Front- und Heckbereich, als erster Automobilhersteller setzte Mercedes-Benz auch serienmäßig Gurtkraftbegrenzer und Sidebags ein.
Außerdem kam die E-Klasse ihren Kunden noch weiter entgegen als je zuvor. Stichwort Individualität: Erstmals standen in dieser Modellreihe drei unterschiedliche Design- und Ausstattungslinien zur Auswahl - CLASSIC, ELEGANCE und AVANTGARDE.
Die ab Anfang 1997 eingesetzten neuen V6-Motoren waren 25 Prozent leichter als die bisherigen Reihensechszylinder. Die weltweit erstmals verwendeten Leichtmetall-Laufbuchsen mit besonders reibarmer Oberfläche ermöglichten ebenso wie die Dreiventiltechnik und die phasenversetzte Doppelzündung einen geringeren Kraftstoffverbrauch. Neue CDI-Dieselmotoren mit Common-Rail-Direkteinspritzung und Turbolader beflügelten im Juni 1998 die Selbstzünder der E-Klasse, die fortan die Modellbezeichnungen E 200 CDI und E 220 CDI trugen. Nach der Modellpflege im Juli 1999, die über 1800 weitere Detailverbesserungen brachte, wurde die E-Klasse serienmäßig mit dem Elektronischen Stabilitäts-Programm ESP® ausgerüstet, das die Schleudergefahr deutlich verringert. Und die neue 4MATIC kam in der E-Klasse ohne herkömmliche Differenzialsperren aus, sondern bremste durchdrehende Räder elektronisch so lange ab, bis sie wieder Traktion hatten.
Die E-Klasse, die zum ersten Mal das Vier-Augen-Gesicht trug und sich durch viele technische Innovationen einen Spitzenplatz in diesem Marktsegment eroberte, gab es ein Jahr nach ihrer Weltpremiere auch als T-Modell mit vorbildlich großem Ladeabteil.
Seit Frühjahr 2002 ist die siebte Generation der Mercedes-Benz E-Klasse auf Kurs. Anfang 2003 folgte das attraktive T-Modell, das sich ebenso wie die Limousine durch technologische Exklusivität auf höchstem Niveau auszeichnet.
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