Sicherheit und Komfort im Fond: Innovativer Airbag für hinten und Großoffensive gegen Gurtmuffel

09.09.2019
Stuttgart

Die Airbag-Entwicklung bei Mercedes-Benz beginnt bereits im Jahr 1966. Als erste serienreife Lösung wird der Fahrer-Airbag 1980 in der S-Klasse der Baureihe 126 eingeführt. Und die Idee vom schützenden Luftkissen als Element der Passiven Sicherheit ist längst noch nicht ausgereizt, wie ein innovativer Fond-Airbag im ESF 2019 zeigt. Mit Gurtbringer, Gurtschlossbeleuchtung, USB-Gurtschloss und Gurtband-Heizung sind beim ESF 2019 zudem einige Ideen umgesetzt, wie Passagiere auf den hinteren Plätzen mit neuen Mitteln zum Anlegen des Gurts motiviert werden könnten.

Der Fond-Airbag verwendet ein besonderes Befüllkonzept zum Aufblasen und Positionieren des Luftkissens. Hierfür besitzt er eine neuartige Röhrenstruktur. Zylindrische Körper werden im Crashfall schnell mit Druckgas aufgeblasen und bilden ein Gerüst – ähnlich den neuen, aufblasbaren Zelten, bei denen Luftschläuche die Stangen ersetzen. Der eigentliche Clou des Airbags ist der Raum zwischen den Stangen des Gerüstes. Die Seitenwände fangen die Umgebungsluft verzögerungsfrei ein und halten sie dann fest, wenn der Passagier eintaucht. So kann der Passagier abgestützt und die Belastung für Kopf- und Halswirbelsäule bei einem schweren Frontalaufprall um bis zu 30 Prozent gesenkt werden.

Die Auslegung eines Airbags für den Frontaufprall im Fahrzeugfond erfordert ein anderes Konzept als ein konventioneller Fahrer- oder Beifahrer-Airbag. Denn die Platzverhältnisse sind anders, die Bandbreite des Insassenverhaltens ist groß, und der Airbag muss in der verstellbaren Rückenlehne der Frontsitze untergebracht werden. Hinzu kommt: Kinder und Erwachsene sitzen sehr unterschiedlich im Fahrzeugfond.

Daher wurde besonderes Augenmerk auf die möglichst schonende Entfaltung des Luftkissens gelegt, falls sich Personen oder Gegenstände im Entfaltungsbereich befinden sollten. Die besondere Konstruktion dieses neuen Luftkissens trägt maßgeblich zur Erfüllung der internen Anforderungen von Mercedes‑Benz bei, die teilweise von den Prüfungen für Beifahrer-Airbags abgeleitet wurden. Die sich aufblasenden Röhren weichen bei Kontakt zu Störkonturen, beispielsweise einem rückwärtsgerichteten Kindersitz, aus. Die Last wird der Störkontur nicht aufgezwungen, sondern an ihr vorbeigeleitet.

So könnte die Anschnallquote im Fond steigen

Fahrer und Beifahrer sind mittlerweile in fast allen Serien-Pkw durch Dreipunktgurte und zusätzlich durch Front- und Seitenairbags geschützt. Auf den hinteren Plätzen sind Dreipunktgurte Standard. Die Anschnallquote ist seit der Einführung der Anschnallpflicht auf den hinteren Sitzen in Deutschland (1984) nach Erhebungen der BASt (Bundesanstalt für Straßenwesen) auf nahezu 100 Prozent gestiegen. In manchen Märkten ist die Anschnallquote im Fond dagegen sehr gering. Sind jedoch Passagiere auf den hinteren Plätzen an Unfällen beteiligt, so ist das Verletzungsrisiko ähnlich ausgeprägt wie das der vorn sitzenden Passagiere. Zudem können nicht angeschnallte Fondpassagiere durch die fehlende Rückhaltung nach vorne geschleudert werden und angeschnallten Personen auf den vorderen Sitzplätzen schwere Verletzungen zufügen.

Aus der Sicht der Unfallforscher ist es daher wichtig, die Passagiere auf den hinteren Plätzen mit neuen Mitteln zum Anlegen des Gurts zu motivieren und das Anlegen zu unterstützen. Im ESF 2019 gibt es hierzu einige Ideen:

  • Gurtbringer: Er reicht das Gurtband an, sobald die Türe geschlossen wurde. Das Greifen des Gurtbands ist somit angenehmer möglich.
  • Gurtschlossbeleuchtung: Erleichtert das Auffinden des Gurtschlosses und vereinfacht damit das Anlegen des Sicherheitsgurtes.
  • USB-Gurtschloss: Motiviert den Passagier zum Anlegen des Sicherheitsgurts, indem der USB-Anschluss erst nach dem Anschnallen freigeschaltet wird.
  • Gurtband-Heizung: Motiviert zum Anschnallen und kann die Gurtlose verringern, weil die Passagiere aufgrund der körpernahen Heizfunktion des Gurtbands auf dicke Jacken und Mäntel verzichten können. Zusätzlich erhöht das beheizbare Gurtband in Kombination mit der Sitzheizung den thermischen Komfort im Fahrzeug.
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