Perspektive auf die andere Kultur: Daimler Art Collection zeigt Werke aus deutsch-japanischem Kunstaustausch

29.05.2018
Berlin/Stuttgart
  • Stipendiaten des Kunst- und Kulturprogramms Mercedes-Benz Art Scope stellen aus
  • Ausstellung vom 02. Juni bis 04. November 2018 im Daimler Contemporary Berlin im Haus Huth am Potsdamer Platz

Berlin/Stuttgart - Künstlerinnen und Künstler aus Japan und Deutschland zeigen mehr als 40 Kunstwerke und Werkgruppen in der neuen Ausstellung der Daimler Art Collection in Berlin. Im Mittelpunkt stehen Kunstwerke, die im Rahmen des Mercedes-Benz Art Scope Awards entstanden sind. Das Austauschprogramm der Daimler Art Collection und Mercedes-Benz Japan ermöglicht japanischen und deutschen Künstlerinnen und Künstlern Gastaufenthalte in Tokio und Berlin. Die dabei gewonnenen Eindrücke setzen die Stipendiaten in künstlerischen Projekte um. In der Ausstellung sind Arbeiten zu sehen, welche die Entstehungsgeschichte der Werke und die dahinterliegenden Gedanken, Ideen und Inspirationen verdeutlichen. Allen gemein ist eine zeitgenössische und gleichzeitig in der jeweiligen künstlerischen Tradition verankerte Perspektive auf japanische und deutsche Kultur. Präsentiert werden die Kunstwerke täglich vom 02. Juni bis 04. November 2018 im Daimler Contemporary, Haus Huth am Potsdamer Platz in Berlin. Der Eintritt ist frei.

Dr. Renate Wiehager, Leiterin der Daimler Art Collection: „Japan und Deutschland sind sich in vielen Aspekten ähnlich. In Fragen der Ästhetik, des gesellschaftlichen und sozialen Lebens und auch der künstlerischen Produktion und Rezeption zeigen sich jedoch spannende Unterschiede. Aus dem entstehenden Reflexionsfeld zwischen japanischer und deutscher Kultur und Gesellschaft entstanden in den vergangenen zehn Jahren hervorragende, zum Nachdenken anregende Kunstwerke unterschiedlichster Art. Wir freuen uns sehr, dass wir mit den Mercedes-Benz Art Scope Awards den Künstlerinnen und Künstlern eine Plattform für ihre Kreativität und die Perspektive auf die jeweils andere Kultur bieten konnten.“

Die Ausstellung mit dem Titel “Visions of Exchange: Mercedes-Benz Art Scope Award 2009-2017“ zeigt Werke der vergangenen elf Stipendiatinnen und Stipendiaten der Mercedes-Benz Art Scope Awards und ist in vier thematische Räume unterteilt. Der Rundgang beginnt mit „Visionen eines kulturellen Austausches“, geht weiter zu „Formwandlung des Alltäglichen“, zeigt „Bilder einer fließenden Welt“ und präsentiert zuletzt „urbane Landschaften“.

„Visionen eines kulturellen Austauschs“

Den Auftakt der Ausstellung bilden Fotografien, Videos und Skulpturen, welche Beobachtungen und Erfahrungen des urbanen Raums in Tokio und Berlin reflektieren.

Menja Stevenson (*1982 in Rottweil, D) präsentiert Eindrücke, Handlungen, Haltungen und atmosphärische Stimmungen, indem sie diese fotografiert, beschreibt und filmt.

Der Bildhauer Jan Scharrelmann (*1982 in Stuttgart, D) beschäftigt sich mit der Schnittstelle Innen/Außen. Sein plastisches Werk entwickelt sich aus Kontrasten, Ambivalenzen und Widersprüchen. Benedikt Partenheimer (*1977 in München, D) wirft fragende Blicke auf Aspekte moderner japanischer Wirklichkeit und reflektiert künstlerisch Themen wie die japanische Energiepolitik oder die Rolle des Berg Fujis für das kulturelle Selbstverständnis des Landes. Taro Izumi (*1976 in Nara, J) stellt in seinen Arbeiten spielerisch und humorvoll den vermeintlichen Dualismus Realität/Fiktion in Frage.

„Formwandlungen des Alltäglichen“

„Formwandlungen des Alltäglichen“ zeigen Praktiken und Rituale aus Alltag, Kunst und handwerklicher Tradition. Eva Berendes (*1974 in Bonn, D) arbeitet mit Objekten und Materialien aus Interieur und Produkt-Design, Fashion und Kunst, die sie neu kontextualisiert und plastisch verbindet. Die Monotypien von Menja Stevenson (*1982 in Rottweil, D) dokumentieren eine kunsthistorische wie praktische Auseinandersetzung mit der japanischen Tradition des Ukiyo-e Holzschnitts. Rita Hensen (*1960 in Bedburg, D) zeigt Arrangements aus Zeichnungen, Objekten und Fotografien als reduzierte, poetische Protokolle künstlerischen Denkens und Beobachtens.

„Bilder einer fließenden Welt“

Die diffizilen Zeichnungen Hiroe Saekis (*1978 in Osaka, J) übersetzen Beobachtungen aus Natur und Urbanität in abstrakte Bildwelten, die gleichzeitig Traditionen japanischer Bildkunst aufnehmen. Meiro Koizumi (*1976 in Gunman, J) geht dem Thema der Blindheit nach und knüpft dieses an die Frage historischer Fehlbarkeit, so im Kontext der japanischen Perspektive auf den zweiten Weltkrieg. Satoshi Onos (*1980 in Gifu, J) farbig-expressive Bildkunst reflektiert die Überlagerung und permanente Potenzierung von Bildern im Netz. Dabei nutzt er Bildformeln und Zitate aus ostasiatischer und westlich-europäischer Kunstgeschichte.

„Urbane Landschaften“

In „Urbane Landschaften“ steht die künstlerische Inspiration durch den Stadtraum im Mittelpunkt. Die Fotografien von Tokihiro Satō (*1957 in Yamagata, J) zeigen urbane Räume in Tokios Bezirken Shibuya und Mita im Abstand von 25 Jahren. Die Nachbarschaft der Fotografien bewirkt einen Vorher-Nachher-Effekt, der die städtebaulichen Veränderungen der Metropole erfasst. Ryosuke Imamuras (*1982 in Kyōto, J) Arrangements aus Miniaturobjekten und Videos sind in ihrer Erscheinung dagegen leise, zurückhaltend, manchmal verträumt.

Den Schluss des Ausstellungsrundgangs bilden dekorative Objekte von Eva Berendes (*1974, Bonn, D), welche die fragile Grenze von privatem und öffentlichem Raum ausloten.

Mercedes-Benz Art Scope Award

Das 1991 durch Mercedes-Benz Japan gegründete Kunst- und Kulturprogramm begann als Förderung japanischer Künstlerinnen und Künstler. Durch die Kooperation mit der Daimler Art Collection in Stuttgart und Berlin hat sich das Programm 2004 neu ausgerichtet und als japanisch-deutscher Kulturaustausch etabliert. Kernanliegen ist es, den kulturellen Austausch zu ermöglichen und so durch japanisch-deutsche Interaktion und Reflektion die künstlerische Inspiration zu fördern. Dazu erhalten die Künstler die Möglichkeit, für drei Monate im jeweils anderen Land zu arbeiten und zu wohnen. Das renommierte Hara Museum of Contemporary Art, Tokyo und das Daimler Contemporary im Haus Huth, Berlin stellen die Werke aus und eröffnen den Besuchern interkulturelle Perspektiven.

Daimler Art Collection

Die Daimler Art Collection wurde 1977 gegründet und zählt heute zu den bedeutenden europäischen Unternehmenssammlungen mit internationalem Renommee. Die Sammlung umfasst rund 2.600 Werke von etwa 700 Künstlerinnen und Künstlern. Das frühe, zunächst auf Bildwerke bezogene Interesse, galt den Künstlern aus dem süddeutschen Raum. Dazu zählten unter anderem Lehrmeister und Schüler der Stuttgarter Akademie wie Adolf Hölzel, Oskar Schlemmer, Willi Baumeister, Hans Arp und Max Bill. Inzwischen beinhaltet die Daimler Art Collection auch internationale Kunst und verfügt über ein klares kunstwissenschaftlich fundiertes Profil. Dieses basiert auf dem systematischen Aufbau der Sammlung mit einer konzentrierten inhaltlichen Ausrichtung auf abstrakt-konstruktive, konzeptuelle und minimalistische Kunst.

Ausstellungen der Werke im Unternehmen, im Daimler Contemporary am Potsdamer Platz Berlin sowie in internationalen Museen (New York, Detroit, Johannesburg, Tokio, Singapur, Sao Paulo und Buenos Aires), ermöglichen eine breite Auseinandersetzung der kunstinteressierten Öffentlichkeit mit der Sammlung. Zusätzlich lobt die Daimler Art Collection Förderpreise für junge Kunst aus und bietet ein begleitendes Bildungsprogramm für Schülerinnen und Schüler an.

Weitere Informationen zur Daimler Art Collection sind im Internet verfügbar:

http://art.daimler.com/

Meiro Koizumi, Defect in Vision, 2011 (Filmstill), courtesy of the artist
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