Entstehung des ESF 2019: Systemgrenzen überwinden zur Zukunft der Sicherheit

09.09.2019
Stuttgart

Die Entscheidung, zehn Jahre nach dem ESF 2009 wieder ein ESF zu präsentieren, fiel 2017. Anlass war diesmal die Erkenntnis, dass die technische Entwicklung und die Erwartungshaltung an das automatisierte Fahren die Anforderungen an die Sicherheitstechnik im Auto verändern. So wie die erste Welle der Experimental-Sicherheits-Fahrzeuge auf die Massenmotorisierung in den 1960er Jahren und deren steigende Unfallzahlen reagierte, reflektiert das neue ESF die Mobilität der Zukunft und zeigt neue Ansätze, die mit dem automatisierten Fahren verbunden sind. Zugleich ist ein ESF immer ein technologisches Aushängeschild für die Forschung und Entwicklung zum Thema Sicherheit. Das ESF 2019 stellt nicht nur Innovationen der Mercedes-Benz Sicherheitstechnik vor, die weit in die Zukunft reichen, sondern auch Entwicklungen, deren Einführung in die Serie derzeit vorbereitet wird.

Wie soll ein Sicherheitssystem für ein automatisiertes Fahrzeug aussehen, das im gemischten Verkehr mit wechselnder Infrastruktur und mit unterschiedlich ausgerüsteten anderen Verkehrsteilnehmern fährt, mal automatisiert und mal vom Fahrer gesteuert? Welche klassischen Systeme der Passiven Sicherheit müssen angepasst werden? Welche zusätzlichen neuen Möglichkeiten der Unfallvermeidung und Unfallfolgenminderung bietet die Technik, die im Zusammenhang mit dem automatisierten Fahren entwickelt wird?

Solche Fragen illustrieren die Veränderungen in den Sicherheitsanforderungen, seit Mercedes-Benz vor 60 Jahren die ersten systematischen Crashtests durchführte. Zu Zeiten von Béla Barényi, als Ingenieur bei Mercedes-Benz Urheber grundlegender Innovationen der Passiven Sicherheit, stand die Sicherheit der eigenen Passagiere im Vordergrund. Mit der Entwicklung von ABS, ESP® und den heutigen Fahrassistenzsystemen bis hin zum automatisierten Fahren bekam die Unfallvermeidung immer größere Bedeutung. Mit automatisiert fahrenden Fahrzeugen kommt ein weiterer entscheidender Aspekt hinzu: Wie kann das Fahrzeug kommunizieren und kooperieren?

Im Frühjahr 2017 begann die Sammlung von Ideen, die im ESF 2019 demonstriert werden sollten. Darunter waren Projekte, an denen bereits jahrelang in der Vorentwicklung gearbeitet worden war, aber auch neue Ansätze, die höchstens in Form von Skizzen auf Papier vorlagen.

Mehrfacher Nutzen: Showcar und Entwicklungstool zugleich

Das ESF 2019 steht für das Ziel von Mercedes-Benz, die Verkehrssicherheit auch unter den Bedingungen künftiger Mobilität weiter zu erhöhen. Im Prozess der Gestaltung künftiger Vorschriften, Normen und Testverfahren kommt es regelmäßig zu Detailfragen. Das ESF bietet den Ingenieuren eine Diskussionsgrundlage und Plattform, indem es aufzeigt, wo die Probleme liegen könnten und worauf es bei der Lösung ankommt – auch wenn zum Beispiel nicht alle Sensoren bereits ausentwickelt sind. In manchen der vom ESF 2019 adressierten Bereiche hat diese Diskussion gerade erst begonnen.

Typische Features des ESF 2019 sind beispielsweise das Lenkrad und die schwenkbare Pedalerie, die bei vollautomatisierter Fahrt aus dem Bewegungsraum des Fahrers zurückgezogen werden, um ihm mehr Platz zu lassen. So wird auch das Risiko für Verletzungen der unteren Extremitäten durch die Pedale deutlich verringert. Andererseits verändert sich die Position des Fahrers relativ zum Airbag durch die Verlagerung des Lenkrades und durch bequemeres und freieres Sitzen. Ob sich daraus zukünftig modifizierte Anforderungen in Vorschriften oder Test-Ratings ergeben sollten, lässt sich an einem realen Fahrzeug besser diskutieren.

So ist das ESF 2019 in manchen Aspekten eine Vorschau auf Kommendes, in anderen eine Vision, in wieder anderen ein Diskussionsbeitrag und ein Werkzeug zur Arbeit an weiteren Verbesserungen der Verkehrssicherheit in der großen Tradition von Mercedes-Benz.

Zahlen und Fakten zum ESF 2019

  • Zahl der zusätzlich verbauten LEDs: 228 in den Sensorgehäusen und 49.152 im Frontpanel
  • Gesamtgewicht der in 3D-Druck hergestellten Teile: ca. 7 kg
  • Verarbeitete Fläche an Carbonlaminat: ca. 18 m2
  • Verarbeitete Fläche an Leder Nappa: ca. 24 m2
  • Gesamtlänge des verarbeiteten orangen Garns für Ziernähte: ca. 45 m
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