Die Produktion: Innovatives Fertigungskonzept

27.06.2018
Stuttgart

Am 27. Oktober 1997 weihten der damalige französische Staatspräsident Jacques Chirac und der damalige deutsche Bundeskanzler Helmut Kohl das Produktionswerk am Standort smartville im lothringischen Hambach ein. Seit diesem Tag steht das Werk für die Erfolgsgeschichte eines innovativen Fertigungskonzepts, das bis heute Maßstäbe in der Automobilindustrie setzt.

Seit der Eröffnung des smart Werks vor 20 Jahren stellt der Standort Hambach tagtäglich seine Leistungsfähigkeit und Innovationskraft unter Beweis. Aktuell beschäftigt das Werk 800 direkte Mitarbeiter, etwa ebenso viele arbeiten bei den Systemlieferanten vor Ort.

Inzwischen wurde die Allianz ausgeweitet: Eine enge Zusammenarbeit besteht zwischen dem smart Werk Hambach und Novo Mesto, dem Renault-Produktionsstandort in Slowenien, an dem im Rahmen der Kooperation zwischen smart und Renault der neue smart forfour gefertigt wird. Mit der Einbindung der Produktions- und Qualitätsexperten aus dem Werk Hambach ist sichergestellt, dass alle Fahrzeuge der neuen smart Generation unabhängig vom Produktionsstandort vollumfänglich den smart Qualitätsstandards entsprechen.

„smartville“: ein innovatives Fertigungskonzept

„Seit 20 Jahren haben das Werk Hambach und seine Mannschaft wieder und wieder zahlreiche Herausforderungen gemeistert“, sagt Serge Siebert, Leiter von smart France, der 1997 als junger Ingenieur an der Werkseröffnung teilgenommen hatte. „Auch heute stellen unsere Mitarbeiter ihre Anpassungs- und Innovationsfähigkeit regelmäßig unter Beweis, indem sie sich auf die Projekte und zukünftigen Herausforderungen eines rein elektrischen Produktportfolios und innovativer Industrie-4.0-Fertigungsmethoden vorbereiten“, so Siebert weiter.

Warum der Produktionsstandort Hambach auch als „smartville“ bezeichnet wird, erklärt ein Blick aus der Vogelperspektive: Im Zentrum des Industriekomplexes mit einer Gesamtfläche von 68 Hektar steht das smart Zentralgebäude, das von separaten Hallen für die Systempartner umgeben ist. Diese produzieren Module und kümmern sich um deren Lieferung zur Endmontage oder zur Logistik.

Im Zentralgebäude in Form eines Plus-Zeichens ist die Endmontage der Fahrzeuge untergebracht: Die Fahrzeuge laufen auf dem Fließband durch jeden der vier „Äste“ mit den jeweiligen Montagestationen. Dank der langen Außenwände dieser Äste können alle Module und Teile unmittelbar an den Montagestationen zum Einbau bereitgestellt werden, und zwar exakt zur richtigen Zeit („just in time“) sowie in der richtigen Reihenfolge („just in sequence“) für jedes individuelle Fahrzeug. Die Bereitstellung durch die Systempartner erfolgt direkt über Transportbrücken, weitere Umfänge werden über die zahlreichen Lkw-Andockstellen angeliefert. In der Mitte des Plus-Zeichens steht ein mehrstöckiges Gebäude für die Verwaltung.

Zu den Systempartnern auf dem Werksgelände zählen unter anderem Magna Chassis (tridion-Sicherheitszelle), Magna Uniport (Türen, Heckklappen), Faurecia (Polypropylen-Bodypanels), ThyssenKrupp (Hinterachsantriebsmodul und Vorderachse) und SAS Automotive (Cockpit). Zwei weitere Logistikpartner vervollständigen das Aufgabenspektrum: die Firma Seifert Logistics sorgt für die Bereitstellung der Teile an den Montagebändern und das Transportmanagement, die Firma MLT Mosolf für die Lieferung der Fahrzeuge zu den weltweit 46 Märkten des smart.

Das Werk Hambach startete 2012 als erstes Werk in Europa mit der Serienfertigung von Fahrzeugen mit Elektroantrieb parallel zu den konventionellen Modellen mit Verbrennungsmotor. Aktuell wird in Hambach die 3. Generation des smart fortwo produziert. Alle Varianten laufen vom gleichen Band - sowohl Coupé als auch Cabrio mit Verbrennungsmotor bzw. Elektroantrieb.

Elektro-smart: Umfassendes Umweltprogramm

Die ökologische Verantwortung der Marke smart spiegelt sich auch in dem am Produktionsstandort smartville entwickelten Energie- und Umweltkonzept wider. Von Anfang an verfügt das Werk über ein eigenes gasbetriebenes Heizkraftwerk, das es mit Wärme versorgt und rund 25 Prozent seines Strombedarfs deckt. Das Abwasser wird direkt in einer mit Membranfiltertechnologie arbeitenden Kläranlage auf dem Produktionsgelände behandelt. Die Qualität des geklärten Wassers ist besser als die der natürlichen Gewässer, in die es eingeleitet wird.

Für die Fertigung des aktuellen smart fortwo der dritten Generation hat das Unternehmen zudem in eine neue umweltfreundliche Nasslackieranlage investiert, welche die bisher verwendete Pulverlackierung ersetzt. Damit lässt sich nicht nur die Dauer des Lackierprozesses verringern, sondern auch die mögliche Farbvielfalt der Lacke deutlich erhöhen. Die smart Kunden können nun die Farbe der tridion-Sicherheitszelle aus einer größeren Farbpalette auswählen.

Zum 20-jährigen Jubiläum am 27. Oktober 2017 weihte das Werk Hambach den ersten Photovoltaikgenerator zur Erzeugung und Nutzung von Solarstrom ein und gab damit den Startschuss für die Fortschreibung des ehrgeizigen Umweltprogramms.

Dazu gehören mehrere Großprojekte:

  • Seit Beginn 2018 kommen 100 Prozent des benötigten Stroms aus erneuerbaren Energiequellen (Wasserkraft, Photovoltaik und Wind) und nicht mehr von Kernkraftwerken. 
  • Dank der Akquisition von Bio Methan für eine Menge von 10 GWh/Jahr statt Erdgas wird der Standort im Jahr 2018 seine Emissionen von Treibhausgasen aus der Lackiererei um 75 % verringern.

Insgesamt werden diese beiden Maßnahmen die Treibhausgasemissionen (direkt und indirekt) am Standort smartville um 31% reduzieren. Diese Rate dürfte in den kommenden Jahren mit der rasanten Entwicklung der Biogasanlagen in Frankreich deutlich steigen.

Gleiches gilt auch für das Abfallmanagement auf dem Industriegelände. Die Abfallverwertungsquote von smartville hat sich in den letzten Jahren deutlich verbessert. Die gesamte Verwertungsquote von Abfällen hat sich im Jahr 2017 von 82 auf 100 erhöht. Ein Beispiel: Lebensmittelabfälle aus der Werkskantine werden nun direkt in eine Biogasanlage in der Nähe des Werkes geliefert. Das Biogas wird in ein Heizungs-Vertriebsnetz weitergeleitet.

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