Das Glossar: Die wichtigsten Fachbegriffe

15.02.2016
AdBlue®: wässrige Harnstofflösung, die Stickoxide im Abgas von Dieselfahrzeugen um bis zu 90% reduziert. Durch SCR werden die Stickoxide im Abgasstrang mit Hilfe von AdBlue® in die umweltfreundlichen Bestandteile Stickstoff und Wasser umwandelt.
AGR (Abgasrückführung): Die NOx-Entstehung wird primär durch die Verbrennungstemperatur beeinflusst. Durch Zuführen eines inerten Gases werden die Maximaltemperaturen im Brennraum abgesenkt und dadurch die NOx-Entstehung gemindert. Ein solches inertes Gas ist beispielsweise Abgas, von dem ein kleiner Teil zurück in den Brennraum geleitet wird. Beim OM 654 verwendet Mercedes-Benz eine Mehrweg-AGR. Dabei handelt es sich um eine Kombination aus Niederdruck-AGR (die Entnahme erfolgt nach der Abgasnachbehandlung, die Einleitung vor dem Turbolader) und Hochdruck-AGR (die Entnahme erfolgt vor der Turbine des Turboladers und der Abgasnachbehandlung, die Einleitung nach dem Ladeluftkühler und der Drosselklappe). So werden bei allen Betriebspunkten sowohl Stickoxide als auch Partikelbildung schon vor der Abgasreinigung reduziert.
Die Mehrweg-AGR wurde erstmals beim Mercedes-Benz OM 651-Motor für die Fahrzeugbaureihe A-Klasse im A 220 CDI/A 220 d eingesetzt.
Artemis (Assessment and Reliability of Transport Emission Models and Inventory Systems): Europäisches Projekt zur breiten statistischen Erfassung des Fahrverhaltens europäischer Autofahrer. Davon abgeleitet wurde der Fahrzyklus CADC (Common Artemis Driving Cycles), der dieses Fahrverhalten für den Rollenprüfstand abbildet, u. a. mit Geschwindigkeiten bis 150 km/h.
Common Rail: Alle Zylinder des Diesel-Direkteinspritzers werden hier von einer gemeinsamen Verteilerleitung („common rail“) mit dem Kraftstoff versorgt. In der Hochdruck-Leitung wird ein permanenter Druck von 2.000 bar und mehr erzeugt, der Dieselkraftstoff gespeichert und an die Einspritzdüsen verteilt.
Dieselpartikelfilter: Entfernt Rußpartikel zu mehr als 95 % aus dem Abgas. Die Rußteilchen werden im Dieselpartikelfilter abgeschiedenen und zyklisch verbrannt.
Lanchester-Ausgleichswellen: Der Lanchester-Ausgleich besteht aus zwei Ausgleichswellen, die gegenläufig und mit doppelter Kurbelwellendrehzahl rotieren. An ihnen ist je ein Gegengewicht (Unwucht) angebracht, deren gemeinsamer Schwerpunkt sich gegenphasig zum Schwerpunkt der Kolben auf- und abbewegt. Die Ausgleichswellen dienen dazu, die freien Massenkräfte zweiter Ordnung zu beseitigen, die bei Reihenvierzylindern auftreten. Das Ergebnis ist ein vibrationsärmerer Lauf.
NANOSLIDE®: innovatives und ökonomisches Verfahren zur Reduzierung von Kraftstoffverbrauch und von CO2-Emissionen bei Verbrennungsmotoren. Die Zylinderinnenflächen in Aluminium-Kurbelgehäusen werden dabei mit einer extrem dünnen und reibungsarmen Beschichtung versehen. Da insbesondere in Teillastbereichen bis zu 25 Prozent der Kraftstoffenergie zur Überwindung der innermotorischen Reibung genutzt werden, sind mit NANOSLIDE® Verbrauchseinsparungen von mehreren Prozent zu erzielen.
NEFZ: Der Neue Europäische Fahrzyklus, eingeführt Mitte der 1990er-Jahre, ist eine standardisierte, rund 20-minütige Abgasmessung auf dem Rollenprüfstand mit einer festgelegten Abfolge von Beschleunigungen und Bremsvorgängen. Zwei Drittel der Zeit wird eine Stadtfahrt simuliert, ein Drittel der Zeit eine Überlandfahrt. Der Kraftstoffverbrauch wird aus der dabei ermittelten Abgasmenge errechnet. Zielsetzung des NEFZ war es, einen Standard zur Überprüfung von Schadstoffemissionsgrenzwerten zu definieren und für den Kraftstoffverbrauch einen herstellerübergreifenden Vergleich zu ermöglichen.
Piezo-Einspritzung: Einspritzsystem, dessen Injektoren mit einem Keramikelement ausgerüstet sind. Sie nutzen die Eigenschaft einer Piezo-Keramik, um ihre Kristallstruktur – und damit ihre Dicke – unter elektrischer Spannung nanosekundenschnell zu verändern. Piezo-Einspritzdüsen ermöglichen kleinere und genauer dosierbare Einspritzmengen bei hohen Systemdrücken und arbeiten bis zu drei Mal schneller als Magnetventile.
RDE: (Real Driving Emissions) Abgasmessung im realen Betrieb auf der Straße. Dazu werden die Fahrzeuge mit mobiler Messtechnik (Portable Emissions Measurement System, PEMS) ausgestattet und die Emissionen (z. B. Stickoxide) im Fahrbetrieb gemessen.
Schränkung: Versatz der Kurbelwellen-Längsachse gegenüber der Mittelachse der Zylinder. Die Schränkung hat zwei Vorteile: Die Kolbenseitenkraft im Moment der Zündung wird verringert und das Kurbelgehäuse kann kompakter gebaut werden.
SCR-Verfahren: NOx-Minderung um bis zu 90% auf Basis der Selective Catalytic Reduction. Das SCR-Verfahren basiert auf der Zugabe des Reduktionsmittels AdBlue® in den Abgasstrang. AdBlue® ist eine wässrige Harnstofflösung. Beim Einspritzen von AdBlue® in das vorgereinigte Abgas wird Ammoniak (NH3) frei gesetzt, das dann im nachgeschalteten SCR-Kat die Reduktion der Stickoxide zu unschädlichem Stickstoff und Wasser veranlasst.
sDPF: Partikelfilter mit Beschichtung zur Verminderung von Stickoxiden durch selektive katalytische Reduktion (siehe SCR)
Spitzendruck (auch Zünddruck oder maximaler Gasdruck): ist für die mechanische Beanspruchung des Kurbeltriebes und vor allem des Kolbens, der Lager des Kurbelgehäuses und der Kurbelwelle von ausschlaggebender Bedeutung.
Stufenmulde: Ein charakteristisches Merkmal der Kolben von Dieselmotoren mit direkter Einspritzung ist eine Mulde im Kolbenboden, in der der eingespritzte Kraftstoff mit der Luft verwirbelt und vermischt wird. Die Gestaltung als Stufenmulde (anstatt der herkömmlichen Omega-Mulde) hat eine Reihe von Vorteilen, z. B. die sehr gute Luftausnutzung bei geringer Partikelemission und ein höherer Wirkungsgrad durch gesteigerte Brenngeschwindigkeit. Aufgrund der geänderten Strömungsverhältnisse im Brennraum ergibt sich ein geringerer Wärmeabfluss über die Zylinderwand sowie eine gleichmäßigere Temperaturverteilung am Zylinderkopf und eine Entlastung der hochbeanspruchten Ventilstege. Insgesamt resultieren daraus verringerte Wandwärmeverluste, was ebenfalls zur Wirkungsgradsteigerung beiträgt.
WLTP: neues globales Testverfahren (Worldwide harmonized Light vehicles Test Procedure) zur Messung von Emissionen und Verbrauch. Die Definition des neuen Tests basiert auf umfangreichen realen Fahrdaten aus allen Regionen der Welt. Die Messungen erfolgen zur Sicherstellung von Reproduzierbarkeit und Vergleichbarkeit unter klar definierten Randbedingungen auf dem Rollenprüfstand. Der neue Testzyklus unterscheidet sich vom NEFZ vor allem durch dynamischere Fahrprofile mit höheren Geschwindigkeiten, eine längere Strecke und Prüfdauer sowie fahrzeugspezifische Schaltpunkte. Große Änderungen ergeben sich darüber hinaus aus geänderten Randbedingungen bei Testtemperaturen, Berücksichtigung von Sonderausstattungen, Ermittlung der Fahrwiderstände und Fahrzeugtestgewichten. Die Europäische Kommission strebt die Einführung des WLTP ab September 2017 an.
Zylinderabstand: Maß zwischen den Mitten zweier benachbarter Zylinder. Bestimmt einerseits die Baulänge des Kurbelgehäuses, begrenzt andererseits die maximale Bohrung der einzelnen Zylinder.
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