Leicht und komfortabel fahren

02.09.2020
Stuttgart

Innovative Fahrwerksysteme sorgen in der neuen S-Klasse für ein beeindruckendes Fahrerlebnis. Die Hinterachslenkung mit einem Lenkwinkel von bis zu 10° an der Hinterachse steigert die Handlichkeit in der Stadt. Das optionale vollaktive Fahrwerk E-ACTIVE BODY CONTROL auf 48-V-Basis bietet eine einzigartige Synthese aus Komfort und Agilität und darüber hinaus noch zusätzlichen Schutz bei einem Seitencrash. Serienmäßig ist die Luftfederung AIRMATIC mit kontinuierlicher Verstelldämpfung ADS+. Eine enge Vernetzung aller Fahrwerk- und Regelsysteme bringt ein Höchstmaß an Stabilität und Sicherheit. Für das hoch­automatisierte Fahren nach SAE-Level 3 sind redundante Lenk- und Bremssysteme vorbereitet.

Anspruch der Entwickler war es, das hohe Niveau des Federungs- und Abrollkomforts der Vorgängerbaureihe zu übertreffen und ein sehr hohes Maß an Fahrdynamik zu erreichen. E-ACTIVE BODY CONTROL (siehe separates Kapitel) ersetzt das bisherige MAGIC BODY CONTROL.

An der Vorderachse besitzt die neue S-Klasse die bewährte Vierlenker-Achse. Alle radführenden Bauteile mit Ausnahme der Radlagerung sind Aluminiumschmiedeteile. Die Raumlenker-Hinterachse wurde zur Integration der Hinterachs­lenkung komplett neu entwickelt. Dazu wurden Kinematik und Elastokinematik angepasst und die Spurstange wurde in der unteren Lenkerebene von vorne nach hinten gelegt. Der Hinterachsträger besteht aus verschweißten Aluminium­blechen und wiegt dank rechnergestützter Strukturoptimierung trotz gestiegenem Kraftniveau nicht mehr als bisher. In dieses nach vorne offene Profil wird eine neu entwickelte Metall-Kunststoff-Hybrid-Querbrücke eingeschraubt, die gegenüber der Aluguss-Querbrücke des Vorgängers deutliche Gewichtsvorteile bietet. Die Fahrschemellager sowie die Elastomerlager der Hinterachsstreben wurden in umfangreichen Simulationen und Fahrerprobungen neu entwickelt, um sie hinsichtlich NVH- und Fahreigenschaften weiter zu verbessern.

Das Niveau wird stets gehalten

Die serienmäßige Luftfederung AIRMATIC spricht besonders feinfühlig an. Sie verbindet Luftfederbälge und adaptive ADS+-Dämpfer, deren Kennung vollautomatisch geregelt an jedem Rad individuell veränderlich ist, und zwar in Zug- und Druckstufe getrennt. Eine ausgeklügelte Sensorik und Algorithmik stellen die Dämpfer entsprechend der Fahrbahn­beschaffenheit so ein, dass beispielsweise das Überfahren einer Unebenheit mit nur einem Rad sich nicht auf die ganze Achse und den Fahrgastraum überträgt. Feder und Dämpfer sind an Vorder- und Hinterachse in einem Federbein zusammengefasst. Die Niveauregulierung ist Bestandteil der AIRMATIC. Sie hält die Bodenfreiheit unabhängig von der Beladung des Wagens konstant, nimmt aber bei Bedarf auch Änderungen vor. So wird die Karosserie im Programm COMFORT bei hohen Geschwindigkeiten über 120 km/h um 10 mm und über 160 km/h um weitere 10 mm abgesenkt, um den Luftwiderstand zu verringern und die Fahrstabilität zu erhöhen. Im Fahrprogramm SPORT liegt die Karosserie grundsätzlich 10 mm tiefer, in SPORT+ 17 mm. Bis 60 km/h kann die Karosserie durch Tastendruck um 30 mm angehoben werden.

Handlich wie ein Kleinwagen: Beide Achsen können lenken

Ziel der Ingenieure von Mercedes-Benz war es, die neue S-Klasse so handlich wie einen Kompaktwagen zu machen. Realisiert wurde diese beeindruckende Fahrfunktion über eine Hinterachslenkung, die große Lenkwinkel bis 10° zulässt und in die Fahrdynamikregelung von Lenkung, Bremse und Federung integriert ist (mehr zur Hinterachslenkung im nächsten Kapitel). Vorne besitzt die S-Klasse eine elektromechanische Direktlenkung. Dabei ermöglichen die Fahrwerkseinstellungen der DYNAMIC SELECT Fahrprogramme eine individuelle Anpassung der Unterstützungscharakteristik. Ein neuartiges Regelungskonzept sorgt unabhängig von Fahrzeuggewicht, Reifengröße und Reibwert für ein gleichbleibendes und komfortables Lenkgefühl. Die Lenkung ist darüber hinaus das zentrale Stellelement für die Umsetzung der Bewegungstrajektorie aus einer Vielzahl von Fahrassistenzfunktionen und Fahrsicherheitssystemen. In Fahrzeugen mit der Sonderausstattung Hinterachslenkung kommt an der Vorderachse eine Lenkungsvariante mit einer um circa 15 % direkteren Lenkübersetzung zum Einsatz, die im Zusammenspiel mit der Hinterachslenkung einen deutlich geringeren Lenkbedarf erfordert.

DYNAMIC SELECT: Die S-Klasse fährt, wie es sich der Fahrer wünscht

Der Fahrer kann die Eigenschaften des Antriebs, des ESP®, des Fahrwerks und der Lenkung individuell verändern. Die Wahl erfolgt über ein Bedienelement am unteren Ende des Zentral-Displays. Grundeinstellung ist das Fahrprogramm COMFORT. Jedem System sind verschiedene Eigenschaften fest zugeordnet. Der Fahrer hat die Wahl, vorgegebene Fahrprogramme auszuwählen oder einzelne Unterprogramme individuell zusammenzustellen. Nach der Auswahl gibt es eine akustische und optische Bedienrückmeldung. Das gewählte Fahrprogramm wird als Status angezeigt und auf dem Zentral-Display inszeniert.

Die einzelnen Programme:

Programm

Charakter

ECO

besonders verbrauchsoptimiertes Fahren

COMFORT

komfortabel und verbrauchsoptimiertes Fahren

SPORT

sportliches Fahren

SPORT+

besonders sportliches Fahren

INDIVIDUAL

individuelle Einstellungen

In Kombination mit E-ACTIVE BODY CONTROL steht außerdem das Programm CURVE zur Verfügung. Modelle mit Plug-in-Hybrid erhalten die Fahrprogramme BATTERY LEVEL und ELECTRIC.

Elektronische Unterstützung: ESP®-Kurvendynamik-Assistent und Lenk-Assistent

Der Lenk-Assistent STEER CONTROL reagiert in fahrdynamischen Grenzbereichen mit angepasster Lenkkraft, um den Fahrer bei der Stabilisierung seines Fahrzeugs zu unterstützen. Dazu ermittelt die Elektronik, in welche Richtung der Fahrer lenken muss, um eine mögliche kritische Situation zu entschärfen, und sorgt für ein entsprechendes Lenkrad­moment als Hinweis, in welche Richtung er lenken soll, um sein Fahrzeug stabilisieren zu können. Der ESP®-Kurvendynamik-Assistent bremst beispielsweise das kurveninnere Hinterrad ab, sollte die Elektronik ein Untersteuern des Fahrzeugs erkennen. So können hohe Fahrsicherheit und hohe Fahrdynamik erreicht werden.

In Kombination mit DRIVE PILOT: Lenkung für hochautomatisiertes Fahren

Voraussichtlich ab dem zweiten Halbjahr 2021 wird die S-Klasse zunächst in Deutschland mit dem neuen DRIVE PILOT bei hohem Verkehrsaufkommen oder Stausituationen auf geeigneten Autobahnabschnitten hochautomatisiert bis 60 km/h fahren können. Teil der Technik dafür ist eine ausfallsichere Lenkung, die die relevanten Stell- und Lenkbefehle vom intelligenten Spurführungs­system mit höchster Genauigkeit und Präzision umsetzt.

Eingebettet in eine zweikanalige Architektur stützt sich diese Lenkung auf eine mehrfach abgesicherte Energie­versorgung und kommuniziert über unabhängige Bussysteme mit den beteiligten Fahrzeugkomponenten. Vorder- und Hinterachse erhalten die doppelte Anzahl von Drehzahlsensoren.

Alle wesentlichen elektronischen und elektromechanischen Bauelemente, Baugruppen und Sensoren sind redundant ausgeführt. Sollte ein Kanal ausfallen, übernimmt das redundante Bauteil die Funktion. Der Elektromotor ist aus vier Teilmotoren aufgebaut, sodass jederzeit mindestens 50 % der Maximalleistung zur Verfügung stehen. So wird sichergestellt, dass beim hochautomatisierten Fahren der gewünschte Fahrpfad in jeder Situation von der Vorderachs­lenkung eingeregelt werden kann.

Für Modelle mit Zusatzausstattungen zum hochautomatisierten Fahren oder beispielsweise den Sonderausstattungen Remote Park-Assistent oder INTELLIGENT PARK PILOT wird ein elektrischer Bremskraftverstärker verwendet. Um den Bremswunsch des Fahrers zu verstärken, wird hier kein Unterdruck, sondern ein Elektromotor mit Untersetzungs­getriebe genutzt. Bei hochautomatisierten Fahr- oder Parkmanövern dient der elektrische Bremskraftverstärker als redundanter Druckerzeuger für das Bremssystem und kann das Fahrzeug auch bei Ausfall der Hydraulikeinheit sicher zum Stehen bringen.

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